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Sonntag, 20 Oktober 2013, 10:15 - Lars Hannig  Allgemein

Elf und Einer

Hehe, ich konnte mir die Anspielung nicht verkneifen. Morgen sind es noch elf Tage bis zum Nano. Zeit die treuen Werkzeuge aus der abgewetzten Ledertasche zu holen und sie auf Hochglanz zu bringen. Es gibt so vieles, was vorher noch erledigt werden will, bevor man ins Land des Schreibens verschwindet. Hat man die Katze gefüttert? Den Herd ausgemacht? Die Zeitung abbestellt? Nimmt man den Hogwarts Express, den Schrank nach Narnia oder doch den DeLorean zurück in die Vergangenheit?
Wie fängt man am besten an? Schreibt man sich vorher warm? Plant alles minutiös durch? So viele Fragen.

Ich vermute da hat jeder erfahrene Nano seine eigenen Tricks und Gewohnheiten. Was aber tun, wenn dies der erste Nanowrimo werden soll? Wenn der unsichere Geschichtenkritzler sich also endlich daran macht, seinen Traum in die Tat umzusetzen und sich an seinen ersten richtigen Roman wagt?
Ich denke für jeden bedeutet der Nanowrimo etwas anderes.
Für mich ist es, nach dem fünften Mal, fast schon eine nostalgische Zeit, die besonders dem Schreiben gewidmet ist.
Zwar schreibe ich auch im Alltag regelmäßig, mit nur wenigen Ausnahmen, wenn es so gar nicht in Ort und Zeit passen will, aber der November ist dennoch immer etwas Besonderes.

Ursprünglich kostete es mich einiges an Überwindung, nach Jahren des stillen Schreibens endlich zu sagen: Ich setze mich jetzt ganz gezielt hin und schreibe meinen Roman. Punktum. Direkt kamen die Gedanken- darf ich das überhaupt so sagen?

Sicher kennen viele jungen Nanos diese Gedankengänge, die allesamt darin begründet sind, dass das Schreibhandwerk in Deutschland längst nicht den Stellenwert hat, wie beispielsweise in den USA. Dort gibt es seit Jahrzehnten eine intensive Förderung von Jungautoren. Des Nachwuchses, zu dem ich als Nano natürlich auch zähle.
In Deutschland wird das Autorendasein sehr mystifiziert betrachtet. Die allgemeine Vorstellung ist weit von der Realität entfernt. Was sehr schade ist, denn eben diese falschen Vorstellungen und Erwartungen machen es dem Neuling schwer seinem Umfeld zu sagen: Ich schreibe einen Roman.

Oft geht damit die Angst der Ablehnung einher.
Was, wenn Freunde und Familie das eigene Tun belächeln, es nicht ernst nehmen? Macht man sich nicht vielleicht selbst etwas vor? Was wenn am Ende nach der ganzen harten Arbeit kein Verlag den Roman veröffentlichen will? Wie soll man dann den Menschen ins Gesicht sehen, die es die ganze Zeit wussten, ja sogar gesagt haben? Also doch lieber etwas Anständiges mit seiner Zeit anfangen?
Nein! Wer schreiben möchte, sollte schreiben.
Einige der genannten Punkte werden garantiert eintreffen. Es wird sich höchstwahrscheinlich kein Verlag finden- doch das ist die Regel und nicht das Ende der Welt. Wer unbedingt etwas veröffentlichen möchte, kann andere Wege gehen.

Und was ist mit den Freunden und Familie, die sich nicht trauen zu sagen, was sie wirklich denken? Sie haben versucht diese Hirngespinste mit einem Lächeln auszutreiben- ohne Erfolg. Und nun hockt der junge Nano da alleine in seiner Bude und tippt und kritzelt vor sich hin, voller vergeblicher Hoffnung auf Ruhm und Reichtum. Verschwendet sein Leben mit Gedanken an Geschichten und Orte, die es doch gar nicht gibt. So ein Schwachsinn! Was werden bloß die Nachbarn sagen? Kann den denn nicht mal jemand wachrütteln?
Sollte es nicht eine Selbsthilfegruppe für Angehörige geben? Schließlich klingt es fast so, als gäbe es kaum noch Möglichkeiten tiefer zu sinken. Fehlt nur noch exzessiver Drogenkonsum. Am Ende sitzt man in abgewetzter Kleidung am Bahnhof und spricht die Passanten an, wie es mit einem Quickie wäre- einer Kurzgeschichte, gleich hinter der nächsten Ecke geschrieben, wo es auch niemand sieht.
Jaja, nicht einfach ist das Nachwuchsautorendasein.
Eine Prise Humor wirkt oft Wunder.

Auch den Nano sollte man nicht zu erst nehmen, es soll schließlich Spaß machen und wie oft hat man schon die Gelegenheit einem Traum nachzugehen, ohne gleich erfolgreich sein zu müssen? Wenn es beim ersten Mal nicht klappt, dann vielleicht beim Zehnten. Ein langer Atem zählt zu den wichtigsten Eigenschaften eines Autors. Handwerk lässt sich lernen.

Schon diese Wochen vor dem Nanowrimo sind für mich erfüllt von Vorfreude, wie andere Menschen sich auf einen Urlaub in einem fernen Land freuen. Es kribbelt mir in den Fingern und ich bin neugierig, was ich alles erleben werde. Welche Charaktere mir begegnen und welche Orte ich beschreiten werde.

Noch weiß ich, nicht wohin die Reise denn gehen soll. Ich habe zwei Geschichten, in jeder Hand eine.
Beide haben ihren ganz eigenen Reiz. In der einen treffe ich auf alte-, in der zweiten auf neue Freunde.
Vielleicht fällt die Entscheidung erst im letzten Moment, wie so oft.

Euer Starcat