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Freitag, 2 November 2018, 10:41 - Lars Hannig  Allgemein | Ermittler Robert Fuchs | Veröffentlichung

Verlagsärger: das Schweigen-Dilemma

In diesem Beitrag geht es um meine jüngste Kleinstverlagserfahrung, wieso ein Verlagsvertrag kein Ziel, sondern erst ein Anfang ist und inwiefern Autor und Verlag zusammenpassen müssen.

Was das Schreiben angeht, ist meine Jahresplanung ziemlich auf den Kopf gestellt worden. Um das Beste aus meinem Steampunk-Romanprojekt »Die phantastischen Fälle des Robert Fuchs« herauszuholen, habe ich mich mit vielen Dingen über das Schreiben hinaus beschäftigt, mit Covergestaltung beispielsweise, viel Organisatorischem, mit Buchmarketingstrategien und mit verschiedenen Social-Media-Kanälen.
Ich habe durch das Feedback meiner Erstlektorin Natascha Herkt und meiner Testleser mehrfach überarbeitet. Aber an etwas Neuem geschrieben habe ich im Vergleich zum letzten Jahr nur wenig.
Stattdessen habe ich viel auf Termine warten müssen, mich geärgert, E-Mails geschrieben, mich geärgert, weitergearbeitet und noch mehr geärgert. Zwischendurch habe ich mehrfach überarbeitet, gestaltet, organisiert und geplant. Ich habe versucht, irgendetwas Produktives zu tun, um die Wartezeit zum nächsten stets vagen Termin mit dem Verlag zu überbrücken.
Beispielsweise habe ich aus der Not eine Tugend gemacht und ich die Zeit genutzt, um seit langem mal wieder an verschiedenen Retro-Spieleprojekten zu basteln … Dazu ein anderes Mal mehr.

Noch ein Jahr zuvor war ich glücklich, meinen ersten Roman bei einem Verlag untergebracht zu haben. Doch mit der Zeit gefiel mir die Art, wie dieser Kleinstverlag nach innen und außen kommunizierte immer weniger. Natürlich liegen Präsentation und Realität gerade in den sozialen Medien oft weit auseinander und mir muss ja nicht alles gefallen. Doch für mein Projekt hätte ich mir definitiv eine andere Vorgehensweise gewünscht.

Wo ich konnte, hatte ich schon Verlagsaufgaben selbst übernommen, um diesen zu entlasten.
Alle paar Monate fragte ich vorsichtig nach dem Stand der Dinge und informierte den Verlag darüber, wie mein Projektstand war.
Entweder ich wurde vertröstet, mir wurde das Blaue vom Himmel versprochen oder ich bekam eine pampige Antwort zurück, die laut Verlagsaussage auf schlechte Stimmung durch andere unzufriedene Autoren zurückzuführen war.
Keine dieser Antwortvarianten gehören für mich zu einer professionellen Zusammenarbeit.
Wenn ich eine Frage stelle, wünsche ich mir eine kompetente Antwort, mit der ich weiterplanen und arbeiten kann.
Ich bin kein Hobby- oder Vanity-Schreiberling. Ich bin seit über zehn Jahren Schriftsteller und mir ist es wichtig, in produktiver Zusammenarbeit das Beste aus meinem Manuskript herauszuholen. Ich habe mir einen Verlag gesucht, damit sich jemand professionell um die geschäftliche Seite kümmert, die ich nicht auch noch abdecken will. Sonst könnte ich gleich Selfpublishing machen. Lieber konzentriere ich mich aber auf das Schreiben.

Wie ihr euch sicher denken könnt, hatte sich die Freude über den Verlagsvertrag nach vielem Hin und Her in ernsthafte Sorge verwandelt. Ich gab mein Bestes, feilte weiter am Roman, was aus meiner Sicht die Kernverantwortung meinerseits ist und übte mich in Verständnis.
Irgendwann ging meine Geduld aber dann doch zu Ende.
Worin liegen denn die Aufgaben eines Verlags?
Als Autor wurden mir Informations- und Mitbestimmungsrechte eingeräumt, aber auch die Verlagspflichten waren im Vertrag klar definiert. Dazu zählen Themen wie: Lektorat- und Korrektorat, Covergestaltung, das Werk angemessen zu bewerben, sich aktiv und nachweislich um die Vermarktung des Werks zu bemühen, die Veröffentlichung und Vervielfältigung in den festgelegten Formen (z.B. Taschenbuch, E-Book) und die Lieferbarkeit zu gewährleisten. Die Pflicht den Autor zu informieren, z.B. über Terminverschiebungen, Verkaufszahlen, Verwertungs- und Werbemaßnahmen. Der Verlag hat die Pflicht sich intensiv um die wirtschaftliche Verwertung des Werks im Rahmen der eingeräumten Nutzungs- und Nebenrechte zu bemühen (z.B. Übersetzung, Hörbuch, Verfilmungen, Multimedia…)
Gerade zu Letzterem sah ich durch meine Wurzeln in der Spieleentwicklung jede Menge Potenzial.
Was aber hatte der Verlag denn tatsächlich für mich und mein Projekt getan?
Die Antwort war ernüchternd: Gar nichts. Sie konnten offenbar ihren vertraglichen Pflichten nicht nachkommen.
Ich beschloss, den Vertrag aufzulösen. Zwei Wochen später hatte ich das Auflösungsschreiben im Briefkasten. Ich empfand Erleichterung. Die Zukunft meines Romans lag wieder alleine in meiner Hand und ich musste mich nicht mehr herumärgern.

Trotz meines Ärgers oder gerade deshalb, war ich bisher nicht bereit über meine Erfahrung zu sprechen, bis mich mehrere Autoren aus meinem Bekanntenkreis dazu ermutigten, es in diesem Rahmen nun doch zu tun.
Wieso habe ich bisher kein Wort darüber verloren? Vielleicht weil ich mich geschämt habe, dass trotz meiner harten Arbeit und meiner besten Absichten aus der Zusammenarbeit nichts geworden ist. Vielleicht auch, weil ich wusste, dass mir Versprechungen gemacht wurden, die nicht gehalten werden würden. Das übliche Verkaufsblabla eben. Aber ich wollte glauben, dass zumindest die grundlegenden vertraglichen Pflichten zur Veröffentlichung erfüllt werden würden. Dann wäre der Roman auf dem Markt und könnte seine Leser erreichen (insofern sie davon erfuhren).
Vielleicht wollte ich auch lieber nichts mehr sagen, weil ich mein Projekt bereits bewarb und ich plötzlich keinen neuen Veröffentlichungstermin nennen konnte. Außer vielleicht einem hoffnungsvollen 2019…

Es geht mir nicht darum, Namen zu nennen oder mit erhobenem Zeigefinger zu warnen. Der besagte Verlag hat zahlreiche Werke in den letzten zwei Jahren veröffentlicht und die Autoren scheinen zufrieden zu sein. Offenbar hat es für sie gepasst.
Auch möchte ich betonen, es gibt ganz großartige Klein- und Kleinstverlage. Man erkennt sie an einem engagierten und freundlichen Team und trifft sie nicht selten auf Buchmessen (der LBM z.B.), oft in Gesellschaft ihrer Kollegen. Tatsächlich pflegen die seriösen Verlage einen sehr guten Umgangston untereinander.
Vielmehr möchte ich euch mit diesem Beitrag darin bestärken auf euer Bauchgefühl zu vertrauen und euch nicht ausbeuten zu lassen. Ihr als Autor habt eine Leistung erbracht. Es ist Pflicht des Verlags auch seine Leistungen zu erbringen. Oder, falls dies aus geschäftlichen Gründen nicht möglich ist, zumindest den Anstand zu haben, seine Autoren rechtzeitig darüber zu informieren, damit diese sich anderweitig umsehen können.

Mein Steampunk-Detektiv »Robert Fuchs« sucht nun ein neues Zuhause. Leider wird der Roman in diesem Jahr also nicht mehr erscheinen. Vielleicht klappt es 2019.

Ich musste einsehen, dass Autor und Verlag zusammenpassen müssen.
Wenn ihr mit einer Vorgehensweise des Verlags ernsthafte Bauchschmerzen habt, solltet ihr es ansprechen.
Wenn ihr das Gefühl habt, die Zusammenarbeit funktioniert nicht, dann erst recht.
Was nützt es einen Verlag gefunden zu haben, wenn ihr vor Sorge um euer Projekt nicht mehr ruhig schlafen könnt?

Zum Thema Veröffentlichung und Verlagssuche hat Grit von Art Skript Phantastik übrigens einen tollen Blogpost geschrieben.