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Samstag, 25 Februar 2017, 11:58 - Lars Hannig  Allgemein | Videospiele

Die schöne Neue Welt

Es gibt Neuigkeiten und das gleich hoch drei. Für die Videogame-Nerds unter euch, für die Phantasten und nicht zu vergessen für die Steampunks.
Welche wollt ihr zuerst hören?
Autorin Kathy Kahner: »Videospiele, por favor!«
Höre ich da jemanden Phantastik rufen? Na gut, dann Videospiele.

Es war einmal vor neunzehn Jahren ein junger, knackiger Zockersprössling. Er hatte keine Spielkonsole, aber einen Stapel alter Spielezeitschriften. Genug um sich vorzustellen, wie es sein würde eine eigene Konsole zu haben und so wälzte er die Zeitschriften Tag für Tag und bemühte seine Fantasie. Er träumte von neondurchfluteten Spielhallen und davon, eines Tages selbst in diese bunten Welten einzutauchen. Wirklich zu erleben gab es diese heiligen Hallen nur im Urlaub, im London Trocadero zum Beispiel oder etwas näher und deutlich kleiner, in einem Freizeitpark in den Niederlanden.
Bevor ihr nun Mitleid mit dem armen konsolenlosen Jungen bekommt und ihm eure schönen Kindheitserinnerungen in Form verschiedenster Daddelkisten schickt, wartet noch, denn die Geschichte geht weiter.
Neben verheißungsvollen Namen wie Nintendo und Sega hatten es ihm besonders die exotischeren Plattformen angetan, die in den Zeitschriften als Wundermaschinen dargestellt wurden. Da gab es 3DO, natürlich den Atari Jaguar (der ihn später lange Zeit begleiten würde) und hoch auf einem Berg erstrahlte das Neo Geo. Unerreichbar, unbezahlbar, unvorstellbar. Spielhallen-Action für Zuhause, aber träumen war ja erlaubt.
Nie hätte sich der Junge vorstellen können, dass er einmal in den eigenen vier Wänden den Olymp der Videospiele erklimmen würde. Das Internet machte es möglich.
2002 stand der Junge strahlend vor seiner Mutter, die entgeistert erfuhr, dass ihr eine Fahrt ins Sauerland bevorstand. Da gab es ein »Spiel«, dass abgeholt werden musste.
Weder Junge noch Mutter ahnten, dass dieses »Spiel« mit einem Gabelstapler in den weißen Kombi geladen würde, denn es war ein Spielautomat, und der Pkw daraufhin gut zwei Fingerbreit tiefer liegen würde. Aber der Automat war bezahlt, verladen und die Kofferraumklappe ging gerade noch zu. Außerdem war es ein Schnäppchen dank der Klausel »Nur Abholung«. Wer fährt schon ins Sauerland, nicht wahr Kathy? 😉
Etwas schwieriger war dann das Ausladen ohne Gabelstapler. Erstmal musste als Lagerstätte die Garage herhalten. Die große Daddelkiste war in einem Zustand, der »Akzeptabel« war. Immerhin lief er nach einigen bangen Minuten, in denen der Bildschirm nur grünen Datenmüll anzeigte und es funktionierten auch fast alle Knöpfe.
Besagter Junge, also ich, steckte gerade im Elektrotechnik-Fachabi. Alles Weitere würde sich ergeben. Das Entscheidende war, ich besaß endlich mein Neo Geo.
In den Monaten darauf wanderte der Automat in Einzelteilen in den Keller. Anders wäre er auch gar nicht zu transportierten gewesen. Ich begab mich ans Restaurieren und tauschte bis auf Gehäuse, Board und Bildschirm fast alles aus. Mein Onkel fertigte in seiner Schreinerwerkstatt sogar extra ein neues Bedienteil an, damit ich vernünftige Sticks und genug Buttons verbauen konnte, die ich als originale Arcade-Teile aus Übersee bestellte. Schließlich war alles fertig und ich konnte meine Spielhallenfantasien ausleben.
Worin besteht also meine große Videospiel-Neuigkeit? Weitere vierzehn Jahre später ist mein Neo Geo Automat endlich wieder bei mir, in unserer Wohnung. Genauer gesagt im Wohnzimmer und mein cooles Retro-Girl hat mich sogar ermutigt. (Ob sie weiß, worauf sie sich da eingelassen hat?)
Wie beim letzten Mal war es ein großer Akt, den Automaten Stückchen für Stückchen herzutransportieren. Dank der Hilfe meines Vaters und meines Onkels, die nicht auf wundersame Weise jünger geworden sind, hat es trotzdem geklappt.

In einer knappen Stunde habe ich es geschafft den Automaten wieder zusammenzusetzen und die Verkabelung wieder zum Laufen zu bekommen. Aus der ersten Schreckminute von damals ist eine Schreckstunde geworden, in der mich wieder nur der grüne Bildschirm des Todes begrüßte (oder der vergessenen Systemzeit). Doch seitdem läufts und ich kann endlich wieder Samurai Shodown II spielen.
Und wer jetzt mit Emulation und Anthologies ankommt, ja die hab ich auch, aber es ist einfach nicht dasselbe. Meine fellow Videogame-Nerds werden mir sicher zustimmen.

Weidet eure Augen an dieser Pracht.

Wars das also schon? Noch nicht ganz, denn eine andere Neuigkeit hat ebenfalls mit Videospielen zu tun. Aber davon erzähle ich euch ein anderes Mal.