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Montag, 13 Juni 2016, 19:39 - Lars Hannig  Allgemein

Lesungsbericht – SpecOps vom 7.6.2016 in Münster

Lesung SpecOps Gruppenfoto

(Bild: Ruhrliteratur)

Ursprünglich war geplant, dass ich die Lesung der »Keller, Schlüssel«-Anthologie im SpecOps in Münster nur als Gast besuche. Doch dann wurde ich kurzfristig gefragt, ob ich als Unterstützung meiner KollegenInnen in verteilten Rollen mitlese.
Aber erstmal zum Veranstaltungsort zu kommen, stellte sich an diesem Abend als gar nicht so einfach heraus…

Der Tag begann als gewöhnlicher Arbeitstag vor dem Bildschirm. Nach Feierabend traf ich mich in Dortmund mit meinen Autorenkolleginnen Natascha Herkt und Kathy Kahner mit Gast und wir machten uns mit dem Auto auf in Richtung Münster.
Welchen Weg genau wir nahmen, ist im Nachhinein schwer zu sagen, denn es regnete in Strömen und entsprechend verregnet war auch unsere Ankunft. Es dauerte alleine eine halbe Stunde, um in die Innenstadt Münsters vorzudringen. Uns erwartete ein Verkehrschaos sondergleichen. Grünphasen in Sekundenlänge. Fahrzeuge, die das Reißverschlussverfahren mit einem Häkelmuster verwechselten und eilige Fahrradfahrer, die auch dort immer noch eine Lücke fanden, wo eigentlich keine war.
Zum Glück hatten nicht nur wir uns verspätet, sodass am Ende trotzdem gemeinsam begonnen werden konnte.
Eine Autorin fiel aufgrund des Unwetters aus, so dass ich in letzter Minute nicht nur als Unterstützung eine Rolle in den Geschichten meiner KollegenInnen las, sondern mit meinem Beitrag aus »Struktur, Tapete« einsprang, um die Lücke zu schließen.
Die Lokation war gut ausgestattet: Bühne, Beamer, Mikros, bequeme Sessel und Stühle, alles war vorhanden und hatte einen alternativen Touch.
Zum ersten Mal wurde mir das bewusst, als ich die Toilette suchte und passend zum Thema der Lesung die Kellertreppe hinabstieg. Ich stand vor zwei Türen, die mit buntem Graffiti verziert waren und so recht schlau wurde ich nicht daraus. Am liebsten hätte ich gewürfelt, ob ich den einen oder anderen Pfad beschreiten sollte. Ich versuchte, aus den Farben des Graffiti Rückschlüsse zu ziehen. War denn nun die eine oder andere Tür etwas femininer gestaltet? Doch ist das in unserer heutigen Zeit überhaupt noch wichtig? Wenn schon in den prüden USA über Unisex-Toiletten diskutiert wird… Sauber waren beide.
Zum zweiten Mal wurde mir das alternative Flair bewusst, als ich auf die Getränkekarte schaute. Seit meiner Zeit in der Gamesbranche denke ich bei Club-Mate immer automatisch an junge Männer in karierten Hemden mit Schiebermütze aus Tweed oder einem roten Barré. Coca Cola gab es nicht, ich bestellte eine Premium Cola und hoffte auf eine Artverwandtschaft.

Wie auch bei den letzten Lesungen, bereitete uns HerrTapete samt sexy neuer Gitarre in Rot einen tollen Einstieg.
Die Lesung wurde Nicholas Wieling auf die Beine gestellt und durchweg von Ina Lammers moderiert, die nicht nur die Lesenden ankündigte, sondern auch Fragen stellte und schließlich selbst in verteilten Rollen mitlas.
Kathy Kahner las als erste ihre Geschichte aus der aktuellen »Keller, Schlüssel«-Anthologie, danach war Nicholas Wieling an der Reihe. Den Abschluss des »Keller, Schlüssel«-Teils des Abends machte Natascha Herkt mit ihrer Geschichte »Ein Feuer in der Ferne«.
Nach jedem Leseteil spielte HerrTapete einen Song. Eine feste Setlist gab es nicht, stattdessen wurde etwas Treffendes gewählt. So erlebten wir auf humorvolle und berührende Weise noch einmal akustisch, welche Schrecken die Protagonisten der Anthologie hinter verschlossenen Kellertüren vorfanden.
Nicholas Wieling stimmte mit Ina Lammers und mir den zweiten Teil des Abends, mit einer Kostprobe aus seinem bald erhältlichen Erstlingswerk »Beziehungskisten«, an.
Ich wurde vorgewarnt, dass in meiner Sprechrolle das eine oder andere »böse Wort« fallen würde und freute mich darauf. Ganz so böse wurde es dann aber doch nicht. Es machte mir großen Spaß gemeinsam zu lesen.
Daraufhin stand ich mit »Eine Reise in Vier Wänden« aus »Struktur, Tapete« alleine auf der Bühne und erzählte von der Wildnis und einem Alltag, der seinem Protagonisten keinen Halt mehr verspricht. Manchmal ist es besser, das altgewohnte Übel aufzugeben und eine neue Reise ins Unbekannte zu wagen.
Ich stand nicht lange allein dort oben, denn den letzten Beitrag bildete eine gemeinsame Lesung mit allen Autoren. Wir trugen Ina Lammers’ Geschichte »Bleiben wollen« vor, ebenfalls aus »Struktur, Tapete«, die sich bereits bei anderen Lesungen in dieser Form bewährt hatte. Zum Abschluss sprach Stephanie Keunecke ein paar Worte zum einjährigen Bestehen des Ruhrliteratur Verlags und es wurde mit einer Packung Merci gefeiert.

Insgesamt wurde es trotz des Sauwetters ein richtig schöner Abend. Mein besonderer Dank geht an die Gäste, die sich schutzsuchend zu uns verirrt hatten und geblieben sind. Der Regen hatte immerhin zwischendurch aufgehört.
Ich danke herzlich meinen KollegInnen, sowie den Gastgebern und Veranstaltern, insbesondere Nicholas Wieling und Ina Lammers. Ich freue mich schon auf die nächste Lesung.

Auf dem Heimweg hatten wir das Gefühl, der Abend hätte uns in eine fremde Dimension versetzt. Die Straßen waren völlig verlassen. Es regnete ja auch nicht mehr.