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Dienstag, 22 März 2016, 21:02 - Lars Hannig  Allgemein

Du bist nicht dein Job!

Du bist nicht dein Job!
An einem Tag räumst du vielleicht Regalwände ein, baust ölige Maschinenteile zusammen, bedienst die Gäste in einem schicken Café oder verkaufst am Telefon Versicherungen an alte Damen. Es ist der uralte Tausch von Zeit gegen Geld.
Sobald du nicht mehr dafür bezahlt wirst, hörst du auf Regalpacker, Maschinenschrauber, Kellner oder Callcenter-Mensch zu sein, aber deshalb gehst du nicht verloren.
Was bleibt, bist du.

Ich wuchs mit dem Gedanken über die Arbeitswelt auf, dass alles in schöne saubere Schubladen passt und passen muss. Man brachte es mir bei, in der Schule, im Fachabi, im Studium und hämmerte es mit jedem Besuch im Jobcenter tiefer in meinen Schädel.
Du steckst die Kindheit und die Teenagerzeit in ein Sparschwein, büffelst bis die Ohren qualmen, gibst dir Mühe und wirst entweder das, was du am besten kannst oder was du werden sollst. Du steigst als junger Erwachsener ins Studium oder gleich in die Arbeitswelt ein und bald bist du endlich das, was du so lange gelernt hast zu sein. Du hast ein Zeugnis, mit dem du deinen Werdegang belegen kannst, schließlich sind wir in Deutschland. Dokumente weisen deine Person aus, deine Qualifikation, dich.
Vergiss nicht, du bist der neue heiße Scheiß.

Wehe dir, wenn dir der Weg nicht klar vor Augen liegt, wenn dein Traumberuf nicht in der Datenbank des Jobcenters auftaucht oder du eine Abzweigung nehmen willst. Pech gehabt, wenn du dir den Büroalltag irgendwie spannender vorgestellt hast. Du willst was erleben? Geh’ ins Kino oder besser: Lies ein Buch.

Ein Großteil meines Lebens war genau das mein Dilemma. Meine Leidenschaft lag im Geschichtenerzählen und in Computerspielen, die ich entwickelte. Niemand bezahlte mich dafür und ich lernte das Handwerk auf eigene Faust. Nicht für einen Job und ohne eine Idee, wie ich damit Geld verdienen könnte, bloß für mich selbst.
Zehn Jahre später studierte ich Game Design und schrieb. Jobs kamen und gingen, sogar in der Gamesbranche. Heute verdiene ich meinen Lebensunterhalt als Programmierer. Und ich schreibe. Das ist mein Beruf.

Allem voran bin ich Geschichtenerzähler und Spielemacher aus Leidenschaft.
Ich bleibe es. Nicht weil ich grade davon lebe, sondern weil es in meiner Natur liegt.
Ich bin Autor, ich schreibe. Alles andere findet sich.